Angelika Kauffmann Research Project
Angelika Kauffmann Research Project

Mitarbeiter, Kopisten und Nachfolger

Kauffmann und Hackert

Abb. 42 Angelika Kauff­mann und Jakob Philipp Hackert: Nymphen löschen das Feuer der Liebe, Schweiz, Privatsammlung ©

Heute wissen wir, dass Kauffmann mit führenden Künstlern ihrer Zeit auch Gemeinschaftsarbeiten schuf.

Die mythologische Szene „Nymphen löschen das Feuer der Liebe“ (Abb. 42) tauchte erstmals Mai 1998 im Kunsthandel in New York auf. Die Untersuchung des Werkes durch Bettina Baumgärtel und Inken M. Holubec 1998 ergab, dass zwei Hände am Werk gewesen sind. Die technologische Untersuchung bestätigte die Vermutung und gab zu erkennen, dass die schroffe Felskante am Rand rechts deutlich beschnitten worden ist. Tatsächlich wurde die Landschaft von Jakob Philip Hackert (1737-1807), dem Hofmaler des Königs von Neapel und Freund Goethes, ausgeführt, während Kauffmann die vierfigurige Szene einbrachte.

Kauffmann und Dell’Era

Wir wissen heute mehr über mögliche Schüler, Kopisten und Nachfolger Kauffmanns noch zu Lebzeiten der Künstlerin. Unter den jungen Künstlern, die Kauffmann in Rom förderte und anleitete, ragt der lombardische Künstler Giovanni Battista Dell’Era (1765-1799) hervor, dessen Kopien und Werke in Kauffmanns Manier bislang zu wenig bekannt sind [Bibliographie].

Abb. 43 G. B. Dell’Era nach Kauffmann: Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn, New York, Kunsthandel ©
Abb. 44 Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn, Ölskizze, 1785, Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Inv. Nr. Gem 298 ©

Eine Ölskizze „Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn“ wurde von Wendy W. Roworth Angelika Kauffmann zugeschrieben (Abb. 43, 44).

Auf Grund stilistischer und maltechnologischer Kriterien hat Bettina Baumgärtel sie Angelika Kauffmann abgeschrieben und Giov. Batt. Dell’Era zugewiesen.

Die fragliche Zuschreibung an Kauffmann führte zu Fehlinterpretationen für die Genese des Werkes, da die Ölskizze Dell’Eras als Vorstufe zum ausgeführten Gemälde angesehen wurde. Hier handelt es sich jedoch nicht um einen Bozzetto zum berühmten Auftrag Kaiser Josephs II., d.h. eine Vorstufe vor der Ausführung ins große Format, sondern um eine Kopie von fremder Hand, eben der Hand Dell’Eras. Der Künstler wird vermutlich nach der Ölstudie Kauffmanns kopiert haben, die sich damals noch in ihrem Atelier befand und später vom Innsbrucker Landesmuseum aus dem Nachlass der Künstlerin erworben wurde. Die zwei ausgeführten, großformatigen Historienbilder für den österreichischen Kaiser sind 1945 im Führerhauptquartier in Berlin verbrannt.

Empfohlene Zitation:
Bettina Baumgärtel: Angelika Kauffmann, Vita / Kopisten und Nachfolger, in: angelica-kauffman.com; angelika-kauffmann.de 2013. Letzter Zugriff 21.11.2017