Angelika Kauffmann Research Project
Angelika Kauffmann Research Project

Klatsch

Abb. 46 Englischer Karikaturist: The Paintress of Maccaroni’s, 1770, Privatsammlung ©
Abb. 47 Nach Robert Dighton: The Paintress. „The proper Study of Mankind is Man“, 1772, The Lewis Walpole Library, Yale University ©
Abb. 48 Nathaniel Hone: The Conjurer - Der Zauberer der Malerei entfaltet die Kunstoptischer Verführung –, 1775, Dublin, The National Gallery of Irland ©

Angelika Kauffmann war als Karrierefrau in einer Männerwelt nicht vor Klatsch und Tratsch, Neid, Missgunst und Skandalen geschützt. Karikaturen, satirische Gedichte und erfundene Anekdoten formten besonders in England das Bild einer Künstlerin, die angeblich als kokette Frau Männern den Kopf verdrehte. Die einen fühlten sich als Opfer ihres Ränkespiels, die anderen brüsteten sich damit, Kauffmann verführt zu haben (Abb. 46 und Abb. 47).

Verschiedene Karikaturen, die eine Porträtmalerin bei der Arbeit zeigen, zielten auf Angelika Kauffmann ab und verunglimpften zugleich ihre Klientel als „Maccaroni’s“ oder als Vertreter der Unterschicht mit farbiger Haut.

Der Titel einer 1772 erschienenen Karikatur bezog sich auf Alexander Popes „Essay of Man“ von 1733-34, in dem auf den Erhalt der gesellschaftlichen Ordnung verwiesen wurde. Eine Künstlerin, die per se die geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung missachtet, wird hier als Störfaktor der alten Ordnung lächerlich gemacht (Abb. 48).

Angelika Kauffmann wusste sich durchaus effektiv gegen die Angriffe zur Wehr zu setzen. Als der irische Maler Nathaniel Hone (1718-1784) auf der jährlichen Ausstellung der Royal Academy sein neuestes Gemälde „The Conjurer“ (1775) zeigte, entfachte er einen Skandal. Die Öffentlichkeit erkannte ohne Mühe, dass er in seinem Gemälde den Direktor des Instituts als Zaubermeister und seine Kollegin Angelika Kauffmann als hörigen Lehrling verhöhnte. Der eigentliche Stein des Anstoßes aber war eine heute übermalte Szene oben links im Bild, in der sich Kauffmann als nackte, gestiefelte Gestalt zu erkennen glaubte. Kauffmann reagierte prompt und kompromisslos. Selbstbewusst verlangte sie die Entfernung des Bildes aus der Ausstellung.

Heute ist das gängige Bild, das von Angelika Kauffmann verbreitet wird, meist von populären Schriften und romanhaften Biographien geprägt, die ihre Lebensgeschichte mit Anekdoten und Spekulationen ausschmücken. Der Tunnelblick der Biographen richtet sich hauptsächlich auf die Frage, mit welchen Männern sie in ihrem Umfeld Liebesbeziehungen hatte. Ihrer unbedachten Vermählung 1767 in London mit einem Heiratsschwindler und der Frage, ob sie mit Goethe ein Liebesverhältnis hatte, wird dabei deutlich mehr Interesse entgegengebracht als ihren künstlerischen Leistungen.

Die Spannbreite reicht vom freien Phantasieren über ihr Leben in Romanen wie dem von Léon de Waillys (1838) bis zu den mit Sympathie verfassten populären Biographien von Adeline Hartcup (1954), Dorothy Moulton Mayer (1972), Simona Weller (1998) oder Gabrielle Alioth (2007). Ihre Biographen bedienen sich verschiedener Rezeptionsmuster, von der Idealisierung als einer erfolgreichen Karrierefrau über die Stilisierung als Opferlamm einer chauvinistischen Kunstszene bis zur Herabwürdigung als Objekt vulgärfreudianischer Spekulationen bei Oscar Sandner und Siegfried Obermeier (1987, 1998).

Empfohlene Zitation:
Bettina Baumgärtel: Angelika Kauffmann, Vita / Klatsch, in: angelica-kauffman.com; angelika-kauffmann.de 2013. Letzter Zugriff 21.11.2017